Vorteile von Digital Signage SMIL Komponenten

Entstehungsgeschichte

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SMIL basiert auf XML und ist wie HTML eine Auszeichnungssprache. Sie wurde geschaffen, um multimediale Inhalte (Audio, Video, Bilder usw.) zeit-synchronisiert abzuspielen. Die erste Version wurde 1998 vom W3C standardisiert und die folgenden Jahre erweitert. Der aktuelle Standard in Version 3.0 wurde 2008 verabschiedet.

Den ersten größeren industriellen Einsatz fand SMIL bei der HD-DVD und dem MMS. Einen wirklichen Durchbruch hatte die Sprache allerdings nicht. Erst im Jahr 2008 entdeckte das taiwanesische Unternehmen IAdea die Sprache für ihre Produkte und begann Digital Signage SMIL Hardware Player zu entwickeln. Seitdem gibt es eine Art Renaissance.
Für die Branche war das ein erster bedeutender Schritt, um Abhängigkeiten zu reduzieren. Wenn jemand vorher ein Digital Signage Netzwerk betreiben wollte, musste er sowohl die Serverkomponente (CMS) als auch die Clientsoftware (Medienplayer) aus einer Hand kaufen. Durch einheitlichen Standard SMIL war es nun möglich dafür Komponenten unterschiedlicher Hersteller zu nutzen.

Standardisierung

SMIL stellt wie HTML einen eingeschriebenen Industriestandard dar. Vergleichen Sie es ruhig mit einer Webseite: Wurde diese standardkonform erstellt, können Sie jeden Webbrowser benutzen. Mozilla, Chrome, Internet Explorer, Opera, Safari – egal womit Sie die Seite aufrufen; sie wird in der Regel bis auf einige Kleinigkeiten gleich dargestellt. Ebenso verhält es sich z.B. mit den Digital Signage SMIL Playern.

Was leistet SMIL?

SMIL ist praxiserprobt, robust und bietet viele Funktionalitäten

  • zirkuläre Playlisten für endlos Programmschleifen. Das ist die primäre Präsentationsform von Digital Signage z.B. in einem Schaufenster, Einkaufszentren, Wartezimmer usw…
  • Zeitgesteuerte Playlisten. Es lassen sich, wie bei einem Fernsehprogramm, Inhalte im Voraus planen und zu bestimmten Zeiten abspielen.
  • Zufallsplaylisten. Z.B., um bei jedem Schleifendurchlauf einen anderen Newsfeed anzuzeigen
  • Multiple Zonen z.B. für Laufleisten
  • Ansteuerung mehrerer Bildschirme gleichzeitig
  • Interaktionen für Kiosksysteme oder Vorträge
  • unterschiedliche Medien wie Videos, Bilder, Texte und Webseiten können effizient auch über Netzwerke hinweg miteinander vernüpft werden (Mashup).
  • Um dynamisch zur Laufzeit Abspielentscheidungen zu treffen können Xpath Funktionen und Ausdrücke benutzt werden
  • Durch die DOM Struktur kann theoretisch auch Javascript eingesetzt werden
  • Erweiterbarkeit durch eigene Tags für z.B. Indexaktualisierungen, Logs oder Konfigurationskommandos
  • die Bandbreite lässt sich steuern, um die Netzwerkauslastung gering zu halten

Was leistet SMIL nicht?

Bild Digital Signage SMIL Quelltext
Digital Signage SMIL Quelltext

Die Sprache ist allgemein gehalten und beschreibt nur wie multimediale Inhalte präsentiert werden. Sie wurde natürlich nicht explizit für Digital Signage Netzwerke entworfen. Deswegen fehlen einige relevante Features:

  • ein Pull-Mechanismus, um regelmässig nachzusehen ob sich Playlisten geändert haben
  • Behandlung von Logs oder Abspielprotokollen
  • remote Administrations- und Konfigurationsfunktionen z.B. Reboots Lautstärke oder Helligkeitsanpassungen usw.

Diese Funktionen setzen die Herstellern unter Umständen unterschiedlich um.

Jeder kann SMIL Komponenten entwickeln

Durch die Offenheit des Standards, der Erweiterbarkeit und die öffentlich zugängliche Dokumentation auf den Webseiten des W3C, kann theoretisch jeder Softwareentwickler SMIL-kompatible Softwarekomponenten (Player, CMS) entwickeln. Es gibt keine behindernden Patente oder den Zwang Verschwiegenheitserklärungen zu unterschreiben. Durch die bereits vorhandenen Sprachfeatures, kann SMIL verhindern, dass der Programmierer hinsichtlich des Steuerungssprachdesigns falsche Entscheidungen trifft.

Wie sieht die Entwicklerrealität aus?

Eine Studie des Branchenportals Invidis aus 2012 besagt, dass allein in Deutschland über 120 Anbieter Digital Signage Lösungen anbieten. Mehr als 60% davon sind kleinere Unternehmen.
Viele Projekte starten nämlich erst als Nebengeschäft mit einem minimalen Anforderungsprofil. Z.B. weil ein wichtiger Bestandskunde einer Werbeagentur einfach nur nur Medien in einer Endlosschleife abspielen möchte. Zu dem Zeitpunkt existieren im Unternehmen in der Regel keine oder nur wenig Digital-Signage-Erfahrungen. Bei der scheinbar einfachen Umsetzung der Kundenanforderung, gekoppelt mit dem üblichen Preis- und Zeitdruck, wird von Entscheidungsträgern oft die konzeptionelle Nachhaltigkeit vernachlässigt. Hauptsache der wichtige Bestandskunde ist glücklich. Sowohl Steuerungssprache als auch Software gehen anfangs schnell von der Hand. Mit der Zeit steigen die Anforderungen weil Erfolg, Kundenwünsche und technische Innovation beispielsweise den Einbau differenzierter Zeitsteuerungen nötig machen.

Komplikationen

Das ist der Punkt wo auch die Wahrscheinlichkeit steigt sich in eine technische Sackgasse zu manövrieren, die sich unter Umständen erst sehr viel später bemerkbar machen.
Irgendwann kommt ein Funktionswunsch und bei der Realisierung fällt auf, dass der einfache Weg bereits zu Projektbeginn durch eine vorschnelle Designentscheidung verbaut wurde. Wenn Zeit und Manpower fehlt, müssen aufwändige Workarounds implementiert werden. Das führt oft zu Nebeneffekten im Code, die nur schwer zu lokalisieren sind. Das System wird instabiler, fehleranfälliger und der Aufwand für Wartung und Implementation weitere Funktionalitäten steigt unermesslich.
Das Szenario natürlich nicht spezifisch für Digital-Signage. SMIL wird uns nicht die Notwendigkeit guter Qualitätssicherung, Kommunikation und Dokumentation abnehmen. Auch das Verständnis in der Geschäftsleitung für diese langwierigen Prozesse muss vorhanden sein. Wir müssen uns aber zumindest mit einem elementaren Problem weniger beschäftigen. Durch SMIL existiert bereits eine durchdachte Steuerungssprache für unsere Digital Signage Projekte. Warum das Rad neu erfinden?

Spezialisierte Dienstleister und Full-Service-Anbieter

Die Standardisierung von SMIL ermöglicht spezialisierte technische Dienstleister. Diese können sich ausschließlich auf eine Komponente z.B. nur das CMS, oder wie im Falle von IAdea auf Hardwareplayer fokussieren. Ohne den Zwang eine Komplettlösung anbieten zu müssen, können auch kleinere Unternehmen mit ihren Innovationen und neuen Ideen schneller an den Markt.
Als Resultat davon entsteht Diversifikation, denn auch Full-Service-Anbieter können aus einem breiteren Angebot technischer Lösungen ihre maßgeschneiderten Produkte einfacher zusammenstellen.

Wo bekomme ich Digital Signage SMIL Komponenten?

Hardwareplayer

Die bekanntesten Anbieter sind IAdea und seit ca. zwei Jahren Qbic International. Beide Unternehmen dokumentieren ihre Funktionalitäten offen unter http://a-smil.org und http://open-smil.org. Weitere SMIL kompatible Player werden von Planar und ViewSonic angeboten. In Deutschland vertreibt die Firma Isaria für Ihre Projekte selbst entwickelte Digital Signage SMIL Player auf Basis von Android.

Softwareplayer

Es existieren eine Reihe von verfügbaren Softwareplayern, die teilweise SMIL 2.1 verstehen, z.B. Real Player oder Quicktime und auch der vollständig SMIL 3.0 kompatible Ambulant. Aber alle diese Player sind nicht für die Bedürfnisse des Digital Signage Marktes zugeschnitten. Es fehlen ihnen die oben beschriebenen Funktionen.
Aus diesen Gründen beschloss ich 2016 selber einen Player namens Garlic zu programmieren. Dieser steht unter einer freien Lizenz jedem zur Verfügung.

Content Management Systeme

An CMS-Dienstleister gibt es einige, die SMIL u.a. als Option oder zum Einstieg anbieten. Z.B. Easyscreen, Scala, Signagelive, Stinova, u.a.
Mein Unternehmen SmilControl hat sich bei seinem gleichnamigen CMS ausschließlich SMIL auf die Fahnen geschrieben, weil wir davon überzeugt sind, dass die flexible Kombinierbarkeit von Technologiemodulen sich langfristig durchsetzen wird.

Fazit für Digital Signage SMIL

Nachdem HD-DVD und MMS Relikte der Vergangenheit sind, fristete die Sprache SMIL lange Zeit ein Schattendasein. Erst in ihrer Inkarnation als Digital Signage SMIL wächst ihre Bedeutung wieder. Bis auf ein paar nachzurüstenden Features unterstützt sie optimal unsere Anwendungsprofile. Durch ihren Einsatz eröffnen sich neue Märkte und Chancen auch für kleinere spezialisierte Anbieter.

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